Katakombenschule

 Über die Person Angela Nikoletti

Angela Nikoletti wurde 1905 in Margreid geboren, ihr Vater war Tagelöhner und die Mutter Hilfshebamme. Als der Vater in den Krieg gerufen wurde, zog die Familie nach Kurtatsch. Nach dem Tod ihrer Mutter nahm sie ihre Tante in Terlan auf, wo sie im Haushalt mithalf. Durch den Umgang mit Kindern reifte in ihr der Wunsch, Lehrerin zu werden. In Zams besuchte sie die Lehrerbildungsanstalt, wo sie im Juli 1926 ihre Ausbildung abschloss und das Lehrbefähigungszeugnis bekam.

Nach ihrer Rückkehr schloss sie sich einigen Vertrauten (Rudolf Riedl, Josef Noldin) an und begann einheimischen Kindern Deutschunterricht zu geben. Immer wieder wurde sie dabei von der faschistischen Polizei entdeckt und bedroht; trotzdem ließ sie sich nicht davon abhalten, Kindern in der deutschen Sprache zu unterrichten. Während dieser Zeit flüchtete sie jahrelang durchs Südtiroler Unterland um einer Verhaftung zu entgehen. Gesundheitlich schwer angeschlagen, zog sie sich zurück, um zahlreiche Briefe und Gedichte zu schreiben. Am 30. Oktober 1930 starb sie nach langem Leiden an Schwindsucht (Tuberkolose).

Heute erinnern ein Film, einige Bücher, die Grundschule Angela Nikoletti in Kurtatsch, 2 Straßen in Kurtatsch und Margreid sowie zahlreiche Schriften und Handarbeiten im Archiv der Gemeinde an sie.

Büste und Violine der Angela Nikoletti in der Grundschule „Angela Nikoletti“ in Kurtatsch

 

 

 

 

 

Einzelgrab von Angela Nikoletti am Ortsfriedhof in Kurtatsch

 

 

 

 

Steckbrief Angela Nikoletti:

Geboren: 31. Mai 1905 in Margreid

Gestorben: 30.Oktober 1930 in Kurtatsch

Ausbildung: Lehrerbildungsanstalt Zams, Abschluss 1926

Beruf: Katakombenlehrerin im Südtiroler Unterland

Todesursache: Rippenfellentzündung, Fieber, Lungentuberkolose

 

Katakombenschulen in Südtirol

Die Katakombenschulen wurden eingerichtet, um Schülern illegalen Deutschunterricht zu vermitteln. Kanonikus Michael Gamper, Josef Noldin, Rudolf Riedl, Angela Nikoletti und andere zumeist junge Frauen suchten Räumlichkeiten und Lehrmittel um die ca.30.000 deutschsprachigen Kinder zu unterrichten. Die Lehrmittel wurden aus Deutschland und Österreich nach Südtirol geschmuggelt. Sobald eine Katakombenschule enttarnt wurde, mussten Lehrer und Eltern mit hohen Geldstrafen, Freiheitsentzug oder Verbannung rechnen. Nach dem 2.Weltkrieg wurde der deutschsprachige Unterricht wieder überall eingeführt.

Geschichtlicher Hintergrund

Im Jahre 1920 wurde Südtirol vom Königreich Italien annektiert. Der Südtiroler Bevölkerung wurde eine Autonomie versprochen, bei welcher es unter anderem eine deutsche Schule für deutschsprachigen Kinder und eine italienische Schule für italienisch sprechende Kinder geben sollte. Doch welche Familie deutschsprachig und welche italienischsprachig war, entschieden die italienischen Behörden und diese machten den Großteil der Bevölkerung zu italienischsprachigen Familien, obwohl demnach nicht so war. In der Folge wurden auch alle Ortsnamen und Familiennamen ins italienische übersetzt. Es bestand die Gefahr der Auslöschung der deutschen Sprache in Südtirol, was auch das Ziel der Italiener war. Doch die Südtiroler versuchten dies zu verhindern, indem sie die sogenannten Katakombenschulen einrichteten.