Brauereibesichtigung der Genossenschaftsbrauerei Reutberg

Im Jahre 1618 errichtete die Gräfin Anna von Pienzenau aufgrund eines Gelübdes in Sachsenkam ein Kloster. Die Ordensschwestern wollten ihren eigenen Haustrunk herstellen und erwarben 1677 die dafür benötigte Konzession. Ab 1679 wurden sie von einem Franziskaner Laienbruder bei der Biererzeugung unterstützt.

1786 begannen die Nonnen den Haustrunk auch an Reisende auszuschenken, worauf die umliegenden Brauereien sich beklagten und ihnen den Missbrauch ihrer Konzession vorwarfen, welche ihnen darauf entzogen wurde. 1835 bekamen die Schwestern ihre Konzession zurück und noch dazu das Recht, ihren Haustrunk in einer nahegelegenen Schenke auszuschenken.

1901 begann der Neubau der Brauerei an der heutigen Stelle, jedoch ohne elektrisches Licht und Kühlhaus. Diese kamen erst später dazu.

Der 1. Weltkrieg führte zu einer starken Senkung des Bierabsatzes. Um eine Schließung zu verhindern, schlossen sich am 23. Oktober 1924 42 Genossen zu der Brauereigenossenschaft mit Sitz auf dem Reutberg zusammen. Der Bierabsatz stieg wieder stetig an.  Nach dem 2. Weltkrieg konnte die Brauerei ihre Produktion weiter erhöhen, dafür waren jedoch große Investitionen notwendig. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten sollte die Brauerei 1987 ihre Selbstständigkeit aufgegeben und fusioniert werden. Einzig und allein durch neue Investoren und Vorstandsmitglieder konnte die Brauerei gerettet und ihre Unabhängigkeit gesichert werden.

Trotz der großen Rückschläge, die die Klosterbrauerei Reutberg hinnehmen musste, gelang es immer wieder die Brauerei zu etablieren. Dies war nur möglich mithilfe der Bevölkerung und durch den Einsatz der Kirche, die sich für das Franziskanerkloster einsetzte.

Die größte Innovation in der Geschichte der Klosterbrauerei war jedoch die Umwandlung in eine Genossenschaft. Diese hat nicht unbedingt das Ziel, einen möglichst hohen Gewinn zu erwirtschaften, sondern man möchte die jahrhundertealte Reutberger Braukunst weiterhin erhalten. Es werden nur Rohstoffe aus der lokalen Landwirtschaft verarbeitet, dadurch kann man eine gewisse Unabhängigkeit bewahren und qualitativ hochwertige Biere herstellen.

Im Sortiment gibt es neben ganzjährig verfügbaren Bieren, auch einige Spezialbiere, die nur in besonderen Jahreszeiten gebraut werden. Dadurch will man an das traditionelle Bierbrauen anknüpfen.

Nur mit großem Engagement der Genossen und der Kunden, sowie auch der Bauern und Gastwirte der Umgebung, wird diese Brauerei auch in Zukunft erhalten bleiben.